Köpenicker Wappen, das inzwischen durch ein gemeinsames neues Wappen für den Großbezirk Treptow-Köpenick ersetzt wurde.
  
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Müggelturm

Müggelturm in den MüggelbergenEin 29,61 Meter hohes und überdachtes Bauwerk, in den Müggelbergen, aus Beton, Stahl und Glas. Seine Aussichtsplattform, die über 126 Stufen zu erreichen ist, liegt 120 Meter über dem Meeresspiegel. Er wurde nach 26-monatiger Bauzeit, während der Silvesterfeier 1961, im neuen Turmrestaurant eröffnet. Dieser Bau, der so etwas wie ein Wahrzeichen des Stadtteils geworden ist, besaß einen hölzernen Vorgänger, der durch einen Brand im Mai 1958 völlig zerstört wurde. Die Berliner wollten den Turm nicht missen, und so entstand mit Hilfe von Geldspenden in Höhe von 130.000 Mark und 3.700 freiwillige geleisteten Arbeitsstunden, im Rahmen des "Nationalen Aufbauwerkes" (NAW), der heutige Müggelturm. Er wurde von einem Studentenkollektiv der Kunsthochschule Berlin- Weißensee entworfen.

Ein Stein im Blumenfenster des Müggelturmrestaurants (derzeit geschlossen) hält die Erinnerung an Josef Jacob Baeyer wach, der den Höhenzug der Müggelberge dazu nutzte, um die erste Stadtvermessung vorzunehmen. Bayer, der von 1794 bis 1885 lebte, gründete das Geodätische Institut Berlins. Vom Müggelturm aus, hat man den besten Überblick das im Berliner Urstromtal eingebettete Müggelland. Zu seinen Füßen liegt der sagenumwobene Teufelssee, leuchtet das Grün ausgedehnter Wälder, das zu den blinkenden Gewässern einen Kontrast bildet. Bei klarem Wetter reicht der Blick bis nach Königs Wusterhausen und zu der alten Hussitenstadt Bernau hinüber.

Müggelturm bei NachtWerdegang seit der Wende: 1991 erhielt die bcb GmbH von der Treuhand den Zuschlag für das Gelände. Zwei Jahre darauf sprang ein erster Investor ab, weil sein Konzept einer Hotelschule abgelehnt wurde. Anschließend entwickelte 1994 die Müggelturm-Tourismus & Service GmbH ein neues Konzept. Zwei Investoren verzichteten, weil die Eigentumsverhältnisse noch nicht geklärt waren. Erst ein Jahr später ging das Areal ans Land und wird seitdem vom Bezirk verwaltet. Seit 1995 steht der Gebäudekomplex unter Denkmalschutz - deshalb verabschiedete sich wieder ein Investor. 1995/96 wurde das Bauwerk mit EG-Mitteln saniert, leider wurde damals gepfuscht, so daß eine erneute Sanierung notwendig ist.

1996 entwickelten Wolfgang Gerber und Ulrich Peickert ein "ökologisches Konzept". Ein Hotel sollte entstehen, was aber nach dem Flächennutzungsplan (FNP) nicht zulässig war: Wieder ging ein Interessent. 2000 wurde der FNP geändert. Weil aber der Denkmalschutz sein Projekt ablehnte, sprang wiederum ein Investor ab. Der nächste potenzielle Investor wollte neben dem Müggelturm eine Burganlage mit Hotel und Restaurants bauen. Wegen der massiven Bauweise wurde das Vorhaben aber vom Senat abgelehnt. 2002 wurde das Areal International ausgeschrieben.

MüggelturmrestaurantAls Konsequenz aus der gescheiterten Ausschreibung wurden die Bedingungen investorenfreundlicher gestaltet, indem der marode Gastronomiebereich abgerissen und neu bebaut werden darf. Zudem sollte die unterirdische Erschließung des Grundstücks (Strom, Wasser, etc.) eventuell mit GA-Mitteln, finanziert durch den Bezirk Treptow-Köpenick, komplett erneuert werden. Inzwischen hat das Areal einen neuen Eigentümer. Was aber dort nun tatsächlich passieren wird, ist aber noch ungewiss. Der Investor sprach von Erlebnisgastronomie und einem Baubeginn im Frühjahr 2008. Bisher ist aber nichts geschehen. (Stand Januar 2013)

Der hölzerne Vorgänger der im chinesischen Pagodenstil erbaut wurde stammt aus dem Jahre 1889. Er war 130m über dem Spiegel des Müggelsees hoch und es führten 374 Massiv-Stufen zu demselben hinauf. Er hatte einen quadratischen Stockwerkbau, mit vorspringenden Dächern. Der Turm verjüngte sich nach oben hin. Die Turmterrasse war vorne mit zwei kleinen Türmen links und rechts gespickt. Er wurde vom Köpenicker Wäscherei- und Färbereibesitzer Carl Spindler (1841-1902) gestifteten und am 1. April 1890 offiziell als Aussichtspunkt zugelassen. 1924 integrierte sein damaliger Besitzer, Walter Wichelhaus, in den ehemaligen Gasträumen des Turms ein Museum, in dem u.a. der Backenzahn eines Mammuts zu sehen war. 1942 lagerte man die Sammlung in die Gaststätte Schmetterlingshorst aus, wo sie gemeinsam mit der weltberühmten Faltersammlung des Gaststättenbesitzers Büttner bei einem Bombenangriff zerstört wurde.

Früher hatte an seiner Stelle ein turmartiges Holzgerüst gestanden, das Jägern als Anstand diente, aber auch zur Brandbeobachtung genutzt wurde. Später in den Besitz der Familie Wichelhaus übergegangen, war der Turm schon immer eines der beliebtesten Berliner Ausflugsziele. Anfang 1945 erklärte die SS den Müggelturm zum militärischen Objekt: Während des II. Weltkriegs diente er als Beobachtungsposten für die Artillerie sowie als Funkturm zur Nachrichtenübermittlung. Kurz vor Kriegsende, war er vor seiner völligen Zerstörung gerettet worden. Volkssturmmänner hatten zwei Zentner Dynamit im unteren Turmraum für die Sprengung vorbereitet. Aber der Gastwirt, der damals seit 26 Jahren auf dem Turm zu Hause war, riss gleichsam im letzten Moment die Zündschnüre ab. Am Nachmittag des 19. Mai 1958 fiel das Bauwerk einem Brand zum Opfer. Etwa gegen 16:30 Uhr schlugen helle Flammen aus der Spitze des Turms hervor. Bald hatte sich auch eine riesige, weithin sichtbare Rauchwolke gebildet. Im trockenen Holz des Turmes fanden die Flammen reichlich Nahrung. Binnen kurzem glich der Turm einer lodernden Fackel, und seine Spitze brach brennend zu Boden.

Der Wirt des Turmrestaurants im Erdgeschoss, in dem sich bei Ausbruch des Brandes glücklicherweise nur wenige Gäste aufhielten, hatte sofort die Feuerwehr alarmiert, die mit acht Löschzügen und weiteren Spezialfahrzeugen anrückte. Sie bemühte sich vor allem darum, durch einen dichten Wasserschleier, ein Übergreifen der Flammen auf den unmittelbar angrenzenden Wald zu verhindern. Es gelang ihr auch, ein an den Turm angrenzendes Wirtschaftsgebäude und das Restaurant zu retten. Vom Turm selbst blieben nur glühende Balkenreste übrig. Als Brandursache stellten sich Schweißarbeiten im Inneren des seit fast einem Jahr wegen Baufälligkeit gesperrten Turmes heraus. Die Handwerker hatten kurz vor Ausbruch des Feuers Feierabend gemacht. Die von der HO Köpenick initiierte Renovierung sollte dem 69 Jahre alten Turm neuen Halt geben. Auch war geplant, bis zum 1. Mai 1959 auf der oberen Terrasse neben dem Turm ein modernes Restaurant einzurichten. (einige hielten aber auch Brandstiftung für möglich)

Müggelturm mit Gaststättengebäude ehem. Turmrestaurant Eingang Müggelturm Müggelturm
Müggelturmrestaurant Gebäude Müggelturmgaststätte aus der Vogelperspektive Müggelturmareal von Turm aus gesehen Fotos:
17.11.2006
(René Frost)



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